Mein Esstisch – Aus alt mach neu

Als ich vor einiger Zeit meine neue Wohnung bezogen habe, war ich eigentlich ziemlich gut ausgestattet – einzig ein Esstisch fehlte mir noch. Die Suche nach einem geeigneten Exemplar gestaltete sich dann allerdings schwieriger als gedacht. Zuerst einmal musste ich mich entscheiden, wie der zukünftige Esstisch denn aussehen soll. Wie groß soll er sein? Eckig oder lieber rund? Ausziehbar? Aus Holz oder Metall? Welche Farbe? Wer mich kennt, weiß, dass solche Entscheidungen durchaus etwas Zeit in Anspruch nehmen können…

Als ich mich dann endlich entschieden hatte – rund, ausziehbar und aus dunklem Holz – ging die Suche nun richtig los. Ich klapperte sämtliche Möbelhäuser in der Region ab, schaute auf Amazon und auf Ebay Kleinanzeigen. Doch einige Wochen gingen ins Land, ohne dass ich DEN Tisch fand. Zu groß, zu klein, zu niedrig, zu teuer, … Ich hatte mich mittlerweile schon recht gut damit abgefunden, an meinem Couchtisch zu essen, als ich bei Ebay Kleinanzeigen dann doch fündig wurde.  


Für 30 Euro erstand ich dieses wunderbare Exemplar. Leider waren die Beine geleimt, sodass man sie nicht zum Transport abnehmen konnte. Mein kleines Auto fiel damit also als Transportmittel raus. Da half nur geballte Frauenpower: Zusammen mit einer Freundin schleppte ich den Tisch die gut 700 Meter bis in meine Wohnung. 

Damit war allerdings erst der erste Schritt geschafft. Denn bei genauerem Hinsehen im Tageslicht des nächsten Tages stellte ich fest, dass der Tisch doch schon recht stark in die Jahre gekommen war. Schnell fasste ich den Entschluss, den Tisch abzuschleifen und neu zu streichen. Eins kann ich Euch vorab schon verraten, solltet ihr etwas Ähnliches planen – stellt Euch auf ein bis zwei schweißtreibende Tage ein. Aber das Resultat entschädigt dafür allemal, wie ich finde!

Das Material – das brauchst Du

Nun geht es also los. Nachfolgend findet ihr meine Materialliste mit den Preisen, die ich im Baumarkt jeweils bezahlt habe:

  • Schleifpapier in verschiedenen Körnungen von grob bis fein: Ich habe jeweils mehrere Seiten in den Stärken 60, 80, 120 und 240 verwendet.  (Kostenpunkt ca. 0,40 € je Seite)
  • Handschleifer aus Kork (2,95 €)
  • Feinstaubmaske (6,50 €)
  • Lacklasur: Ich habe mich für die Farbe Nussbaum entschieden. (375 ml, 9,95 €)
  • ggf. Holzpaste: Falls ihr wie ich größere Macken im Tisch habt, eignet Holzpaste sich zum ausbessern. (5,95 €)
  • Klarlack: Hier könnt ihr Euch zwischen einem glänzenden und matten Finish entscheiden. (125 ml, 5,99 €)
  • Pinsel: Ich habe ein dreiteiliges Pinselset mit unterschiedlichen Größen und einen Lackpinsel für den Klarlack verwendet. (Pinselset: 1,79 €, Lackpinsel: 3,99 €)

Die zusätzlichen Kosten haben sich insgesamt auf ca. 43 Euro belaufen. Wenn ihr aber nicht wie ich einfach in den erstbesten Baumarkt lauft und loskauft, könnt ihr sicher an der ein oder anderen Ecke noch bessere Preise finden!

Das Vorgehen – Los geht’s!

1. Macken ausbessern

Bevor Du mit dem Abschleifen startest, solltest Du größere und kleinere Macken, Kratzer und Ähnliches ausbessern. Die auszubessernde Oberfläche sollte sauber und trocken sein. Schnapp Dir dann einfach die Holzpaste, trage sie großzügig auf die entsprechenden Stellen auf und streiche sie mit einem Spachtel oder – wenn Du wie ich keinen hast – mit einem Stück Pappe etwas glatt. Keine Sorge, das Ganze muss nicht perfekt glatt sein und darf ruhig höher als die restliche Oberfläche sein.

Lass die Stellen dann gut durchtrocknen. Wie lange das dauert, hängt davon ab, wie dick die aufgetragenen Schichten sind.

2. Abschleifen – Ohne Fleiß, kein Preis!

Nach dem Ausbessern mit der Holzpaste beginnt der wirklich schweißtreibende Teil des Vorhabens. Damit die neue Farbe gut hält und schön gleichmäßig aussieht, müsst ihr den Tisch nun abschleifen. Wie gründlich das Ganze sein muss, hängt auch davon ab, in welcher Farbe ihr den Tisch aktuell vorfindet und wie ihr ihn hinterher streichen wollt.

In meinem Fall habe ich den vorher schon dunklen Tisch auch hinterher wieder dunkel gestrichen. Das ist wahrscheinlich eine der einfacheren Varianten. Ich war zwar recht gründlich beim Abschleifen, aber dass an der ein oder anderen Stelle noch dunkle Farbreste in den Holzmaserungen vorhanden waren, hat das Endergebnis nicht negativ beeinflusst. In der Galerie seht ihr den Abschleifprozess in den verschiedenen Stufen anhand meines ersten „Probierstücks“.

Bitte denkt daran, nur mit Feinstaubmaske und in gut belüfteten Räumen abzuschleifen! 

Mit dem gröbsten Schleifpapier fangt ihr an und tragt so Schritt für Schritt die alten Farbreste ab. Wickelt dazu einfach einen Streifen Schleifpapier um Euren Korkblock und legt los. Wichtig: Schleift immer in Richtung der Holzmaserung ab, sonst zerkratzt und beschädigt ihr die Oberfläche! Auch über die in Schritt 1 mit der Holzpaste ausgebesserten Stellen dürft ihr mit dem Schleifpapier gehen, sodass ihr zum Schluss wieder eine ebene Fläche mit dem Rest des Tisches habt. Wenn ihr das Gefühl habt, die erste grobe Farbschicht ist ab, könnt ihr zu den mittleren Schleifstärken wechseln, und schließt das Ganze mit der feinsten Körnung ab, wenn ihr den gewünschten Zustand Eures Tisches erreicht habt.

Ich habe die Tischplatten zwischendurch immer wieder mit einem nebelfeuchten (!) Tuch abgewischt, um den Staub zu entfernen. Bevor ihr dann wieder anfangt zu schleifen, sollte die Oberfläche aber wieder trocken sein. Denkt außerdem daran, zwischendurch immer mal wieder einen neuen Streifen Schleifpapier zu verwenden, da diese durch die abgeschliffenen Partikel verschmutzen.

3. Ein neuer Anstrich

Nun geht es an den spaßigeren Teil – das Anstreichen! Hier jedoch auch vorab der Hinweis: Bitte arbeitet nur in sehr gut durchlüfteten Bereichen (am besten draußen), da die Ausdunstungen der Farben nicht gesundheitsförderlich sind.

Ich habe mich zum Anstreichen für eine Lacklasur entschieden. Diese hat den Vorteil, dass sie das Holz wie ein Lack schützt, aber die Holzmaserungen wie bei einer Lasur sichtbar bleiben. Je nachdem, welches Ergebnis ihr erzielen wollt, gibt es also verschiedene Möglichkeiten des Anstriches. 

Bevor es losgeht: Wenn ihr so geschickt seid, wie ich, ist es sicherlich eine gute Idee, den gesamten Bereich neben und unter dem Tisch mit Zeitung oder Pappe auszulegen, damit ihr Euch Euren Boden nicht versaut. Sorgt außerdem wieder dafür, dass die Oberflächen, die ihr streichen wollt, sauber und trocken sind. Rührt die Lacklasur außerdem ordentlich um. Das ist wichtig, um den richtigen Farbton zu erhalten.

Und dann könnt ihr loslegen! Für größere Flächen, wie die Tischplatte nehmt ihr am besten einen breiten Pinsel, für Kanten oder Tischbeine lieber einen schmäleren. Tragt die Lacklasur gleichmäßig (auch hier wieder in Richtung der Maserung) und zügig auf, sie zieht recht schnell ein und trocknet. Die Farbe sollte zwar decken, aber nicht zu dick sein. Ihr könnt immer nochmal eine zweite und auch dritte Schicht auftragen. Wichtig ist, dass ihr die Farbe immer komplett trocknen lasst und noch einmal vorsichtig mit dem feinen Schleifpapier über die Fläche geht, bevor ihr eine neue Schicht auftragt. Wie lange das Trocknen in etwa dauert, solltet ihr auf der Dose Eurer gewählten Farbe finden. Ich habe die Lacklasur in zwei Schichten aufgetragen und war dann zufrieden mit der Farbe.

4. Das Finish!

Dieser letzte Schritt ist optional und nicht unbedingt notwendig. Ich wollte unbedingt sichergehen, dass sich die doch recht harte Arbeit gelohnt hat und ich lange an einem Tisch ohne Kratzer in der Farbe oder Wasserrändern Freude habe.

Ihr könnt also, wenn alle Farbschichten trocken und ihr mit der Farbe zufrieden seid, noch eine Schicht Klarlack auftragen. Ihr müsst Euch hierbei zwischen einem matten und einem glänzenden Finish entscheiden. Ich habe einen glänzenden Lack gewählt, der außerdem mit dem blauen Engel ausgezeichnet ist. Das Siegel verspricht, dass die Lacke einen geringeren Schadstoffgehalt haben und gesundheitlich in der Wohnumwelt unbedenklich sind. Das war mir für einen Esstisch wichtig. Benutzt zum Auftragen dann einfach einen für Lack auf Wasserbasis geeigneten Pinsel und tragt wieder zügig, gleichmäßig und dünn, aber deckend den Lack auf. Beachtet auch hier wieder die Trockenzeiten, bis ihr den Tisch voll belasten könnt, die ihr auf der Dose findet.

Und hier das Endergebnis:

Zu guter Letzt

Ich bin sehr zufrieden mit meinem Endergebnis und habe schon viele Komplimente von Familie und Freunden dafür bekommen. Ich möchte allerdings darauf hinweisen, dass ich keineswegs vom Fach bin und hier einfach nur mein Vorgehen ohne Anspruch auf Korrektheit und Vollständigkeit weitergebe. 

Ich hoffe, ich konnte damit den ein oder anderen von Euch zu seinem eigenen Do It Yourself-Möbelprojekt inspirieren!

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